Ich träumte einst von Bullerbü… – Teil 2

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Mein Bullerbü-Traum ist ein sehr lange gehegter und gepflegter. Das liegt vielleicht daran, dass Astrid Lindgren, bzw. die von ihr erschaffenen Buch-Figuren, mich schon fast mein ganzes Leben lang begleiten. Erst waren sie die Helden meiner Kindheit und später wurden sie die Lieblinge meiner Kinder. Bullerbü ist mein persönliches Sinnbild für eine Welt wie sie nicht heiler und schöner sein könnte. Mein Paradies auf Erden sozusagen. Und dass ich dass irgendwann einmal mit eigenen Augen sehen wollte, das stand schon sehr lange fest.

Vor einigen Wochen durfte ich mit meiner Familie Schweden, genauer gesagt Småland, besuchen, hier hatte ich schon einmal darüber berichtet. Und wenn man dann schon so nah ist an der heilen Welt, dann sollte man sich auch unbedingt mitten rein stürzen. Mit staunenden Augen und einem hüpfenden Herzen standen wir also kürzlich vor den 3 Höfen von Bullerbü, lugten später auf Katthult in Michels Schnitz-Schuppen und gratulierten Pippi höchstpersönlich zu ihrem 70 Geburtstag. Und weils so unsagbar schön war, nehme ich Dich heute  ein klein wenig mit auf diese Reise…

Kein Abenteuer ohne die nötige Vorbereitung, und deswegen gibt’s zu Beginn gleich einen wunderbaren Buchtipp: auf unserer Reise war der besondere Reiseführer „Astrid Lindgrens Schweden“ von Sabine und Wolfram Schwieder (Reise Know-How Verlag) ein zuverlässiger und sehr informativer Begleiter…

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Der Reiseführer liest sich wie ein gutes Buch, steckt voller Anekdoten und Details aus dem Leben der schwedischen Kinderbuchautorin, und informiert zuverlässig und authentisch über alle Attraktionen und Schauplätze, an denen Astrid Lindgrens Geschichten auf wunderschöne Art und Weise zum Leben erwachen.

Mit dem Reiseführer in der Hand machten wir uns also eines schönen Tages auf den Weg Richtung Vimmerby, dem Geburtsort von Astrid Lindgren.

Wenige Kilometer vor Vimmerby gabs den ersten Stopp. Über eine einsame und erstaunlich unauffällige Landstrasse kommt man nach Bullerbü…

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Bullerbü sieht noch genauso aus wie in der Verfilmung aus den 80er Jahren. Der Nord-, Mittel- und Südhof sehen geradezu so aus, als würden Inga, Britta, Lisa, Kerstin, Ole, Lasse und Bosse gleich herausspazieren. Bullerbü ist ein Phantasiename, eigentlich heißt dieses winzige Fleckchen Erde Sevedstorp, auf den Straßenschildern aber meist auch als „Bullerbyn“ ausgeschrieben. Hier im Mittelhof ist Astrid Lindgrens Vater, Samuel August Erikson, geboren. Dort verbrachte er eine schöne und überhaus behütete Kindheit. Seine Erzählungen flossen später in so manch eine Geschichte hinein.
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Sevedstorp ist ein lebendiger Ort, die Häuser sind alle bewohnt, das bedeutet dass man sie nicht von innen besichtigen kann, aber auch so lohnt sich ein Besuch. In den Sommermonaten, wenn sich viele große und kleine Besucher hier tummeln, öffnet das kleine Café im umgebauten Stall und man kann sich frische Waffeln, Kuchen und Kaffee schmecken lassen. Der Mittelhof öffnet seine Pforten, und Besucher sind herzlich willkommen im Garten zu verweilen oder sich im kleinen Antiquitätenlädchen (hinter dem Haus) umzusehen. Im kleinen Heuschober kann man anschließend einen Sprung ins Heu wagen und wer möchte darf gerne auch die Tiere streicheln oder sich für ein paar Kronen aufs Pferdchen setzen.

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Hier in Sevedstorp vermischt sich das schöne, echte Leben mit den Erzählungen und Filmen auf wunderbare Weise. Ein Besuch lohnt sich, zwar bin ich jetzt um einen Traum leichter aber glücklicherweise auch um eine unvergessliche Erfahrung reicher.

Nicht weit entfernt von „Bullerbü“ liegt ein weiterer kleiner Sehnsuchtsort…
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In Gibberyd findet sich ein kleines Gehöft, dass Astrid Lindgren-Kenner sofort als Katthult, das Zuhause von Michel aus Lönneberga, erkennen. Hier wurde ein großer Teil der Außenaufnahmen gedreht, und so findet man auf Katthult das Wohnhaus, die „Trissebude“, den bekannten Schleifstein, den Brunnen, Alfreds Knechtkammer und auch die legendäre Fahnenstange, an der Michel seine kleine Schwester Ida hochzog. Im schwedischen Original heißt Michel übrigens Emil. In Deutschland wurde der Kinderbuch-Racker in Michel umgetauft, um Verwechslungen mit Erich Kästners „Emil und die Detektive“ zu vermeiden.

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Ganz wunderbar ist ein Blick in Michels Tischlerschuppen. Hier stehen viele, viele kleine und große geschnitzte Figuren und beim Blick in den dunklen Schuppen wird man unweigerlich mitten in die Geschichte katapultiert…

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Groß ist das Gehöft zwar nicht, aber wer ein bisschen Zeit hat, dem empfehle ich zum Teich zu laufen oder einen Spaziergang durch den Wald um Gibberyd machen. In den Sommermonaten lohnt sich auch ein Besuch des kleinen Andenkenladens. Und wer doch ein wenig länger bleiben möchte, packt am besten gleich einen Picknick-Korb ein und lässt sich auf dem kleinen Hügel nieder…

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In der Kleinstadt Vimmerby kann man stundenlang auf Astrid Lindgrens Pfaden wandeln. Egal ob man das Geburtshaus besichtigt, sich im neu gebauten Museumspavillon eine Ausstellung ansieht oder auf dem Schulweg der jungen Astrid entlang schlendert, es gibt viel zu sehen und zu erleben.

Wer mit Kindern reist sollte sich Astrid Lindgrens Welt auf gar keinen Fall entgehen lassen. Was Anfang der 80er Jahre als „Projekt Märchendorf“ mit drei kleinen Holzhäuschen begann, ist heute Freizeitpark und Freilufttheater zugleich. Astrid Lindgrens Welt ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und mittlerweile riesengroß. Hat man die hohen Eintrittspreise erst einmal verdaut, sollte man sich kein bisschen zögern und sich sofort kopfüber ins Abenteuer stürzen: Pippi Langstrumpf, Madita, Ronja Räubertochter, die Kinder aus Bullerbü, Michel, und, und, und… sie sind alle da und tun scheinbar nichts lieber als die zahlreichen kleinen und großen Besucher hellauf zu begeistern.

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Idealerweise genießt man den Park ganz entspannt in 2 Tagen. Es gibt so unendlich viel zu entdecken, zu spielen und all den schönen Geschichten zuzuhören. In Astrid Lindgrens Welt findet man zu fast jedem ihrer Bücher eine eigene kleine, nachgebaute Welt, ihre Bücher erwachen auf wundersame Weise zum Leben. Und so spaziert man von Bullerbü direkt nach Birkenlund, später in die Krachmacherstraße, landet irgendwann auf der Mattisburg bei Ronja Räubertochter und gemütlich geht’s weiter zur Villa Kunterbunt…

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Es gibt unendlich viel zu bestaunen, aber den größten Eindruck hinterlassen die etwa 70 großen und kleinen Darsteller. Schauspielerisch wie auch musikalisch verkörpern sie absolut hervorragend ihre Rollen und schaffen es mit grandioser Leichtigkeit die Geschichten Wirklichkeit werden zu lassen. Kostüme, Requisiten und eine zum Teil unglaubliche Ähnlichkeit der Schauspieler mit ihren Figuren haben mich in großes Staunen versetzt. Es ist absolut wunderbar was hier tagtäglich auf die Beine gestellt wird!

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Zwischen den einzelnen Vorstellungen kann man durch den weitläufigen Park schlendern, die Kinder dürfen ausgelassen spielen und auch wenn in den Miniatur-Welten gerade keine Vorführung stattfindet, sind viele Darsteller vor Ort und machen mit den Kindern Späße oder stehen Rede und Antwort.

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Es gibt mehrere Restaurants und Kioske in denen man sich typisch schwedische Köstlichkeiten wie Köttbullar, Pfannkuchen oder Reibekuchen mit Speck schmecken lassen kann. Wer möchte kann aber auch einen gut gefüllten Picknick-Korb mitbringen, am Eingang einen Bollerwagen ausleihen und an einem der Picknickplätze (z.B. in der Nähe von Katthult oder Birkenhain) gemütlich essen. Teilweise stehen auch Grillplätze zur Verfügung.

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Wer Astrid Lindgrens Welt in der Nebensaison besucht darf sich über den günstigeren Eintritt und weniger Andrang freuen. Kleiner Wermutstropfen: es sind weniger Schauspieler vor Ort, d.h. es gibt weniger Vorstellungen zu bestaunen. Unser Glück hat das allerdings nicht getrübt, denn obwohl weniger Darsteller im Park waren, gab es dennoch genug zu sehen. An vielen nicht bespielten Stationen konnten wir bei den Proben der neuen Vorführungen zusehen.

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Absolut fantastisch waren die Darstellung von Szenen aus „Michel aus Lönneberga“. Auf Katthult wurde mit so viel Herzblut gespielt, gesungen und getanzt, so dass mir vor lauter Glück und Freude ein paar Freudentränchen in die Augen stiegen…

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Übrigens gibt es auch die Möglichkeit direkt neben Astrid Lindgrens Welt  zu übernachten. Das eigene Ferienhausdorf sowie der Campingplatz liegen nur 250 m vom Eingang entfernt.

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Astrid Lindgren mochte den Freizeitpark übrigens. „Es ist eine sehr gemütliche und schöne Welt, denke ich.“ hat sie einmal darüber gesagt. Ihr war vor allem wichtig, dass die Kinder dort spielen können, und das können sie. Und egal ob kleines oder großes Kind, Vimmerby und Umgebung sind nicht nur einen Besuch wert.

Und es kam wie es kommen musste: seit unserer Reise ins „Schwedenland“ wie meine 5-jährige Tochter immer sagt, lesen wir die Geschichten von Astrid Lindgren sogar noch viel lieber, träumen uns beim Lesen an den einen oder anderen Ort, sehen manch Kleinigkeit aus einem anderen Winkel und freuen uns vor allem über all die kleinen Details, die uns bislang nicht aufgefallen sind. Und ganz nebenbei pflegen wir das neue Fernweh nach Skandinavien und planen eine baldige Rückkehr ins Land der schönen Schwedenhäuser.

Ich hoffe ich konnte Dich ein wenig für Astrid Lindgrens Schweden begeistern. Und wer nun Lust hat ein klein wenig einzutauchen in das Leben der Frau, die Kindern in ihren Geschichten mit so unendlich viel Würde begegnen konnte, dem empfehle ich den Dokumentarfilm „Astrid Lindgren“ von Kristina Lindström oder das zauberhafte Buch „Das entschwundene Land„, übrigens das einzige Buch, dass Lindgren je für für Erwachsene geschrieben hat.

Ich wünsche Dir einen wunderbaren Start in die Woche.

Alles Liebe,

*bee

Dieser Bericht entstand mit freundlicher Unterstützung von VisitSweden. Meine Meinung ist, wie immer, meine eigene.